Erinnerungskultur heute

Hier wohnte ein Mensch.

In St. Tönis und Vorst liegen 49 Stolpersteine. Jeder trägt einen Namen. Diese Seite erzählt, wer diese Menschen waren, wie ihnen ihre Würde genommen wurde und warum wir uns heute noch an sie erinnern.

„Ein Mensch ist erst vergessen, wenn sein Name vergessen ist.“ Nach dem Talmud. Gunter Demnig zitiert diesen Satz für sein Projekt Stolpersteine.

Fahr mit gedrückter Maus oder dem Finger über den Stein, um ihn zu putzen.

Hochstraße 65, St. Tönis. Einer der ersten Stolpersteine in Tönisvorst, verlegt 2011. Das ist seine echte Inschrift. Viele Menschen putzen Stolpersteine am 9. November, damit die Namen wieder lesbar sind.

Kapitel 1

Was ist Erinnerungskultur wirklich?

Erinnerungskultur ist die Art, wie eine Gesellschaft mit ihrer Vergangenheit umgeht: woran sie sich erinnert, wie sie es tut und was sie daraus lernt.

In Deutschland meint der Begriff vor allem die Erinnerung an die Verbrechen des Nationalsozialismus: an die Verfolgung und Ermordung von sechs Millionen Jüdinnen und Juden, an Sinti und Roma, an politische Gegner, an Menschen mit Behinderung und an alle anderen Opfer.

Erinnern heißt dabei nicht, dass junge Menschen heute schuld sind. Es heißt, Verantwortung zu übernehmen: dafür, dass so etwas nie wieder geschieht, und dafür, dass die Opfer nicht vergessen werden.

Die Zeitzeugen, die selbst erzählen können, werden immer weniger. Deshalb wird es wichtiger, wie wir erinnern: an Orten, mit Namen und Geschichten, und auf eine Weise, die auch junge Menschen berührt.

„Wer aber vor der Vergangenheit die Augen verschließt, wird blind für die Gegenwart.“ Richard von Weizsäcker, Bundespräsident, Rede zum 8. Mai 1985
Gedenktage

27. Januar (Befreiung von Auschwitz 1945) und 9. November (Pogromnacht 1938).

Gedenkstätten

Ehemalige Konzentrationslager wie Dachau oder Buchenwald, die man heute besuchen kann.

Denkmäler

Zum Beispiel das Denkmal für die ermordeten Juden Europas in Berlin.

Stolpersteine

Kleine Messingtafeln vor dem letzten frei gewählten Wohnort eines Opfers.

Familien­geschichten

Nachfahren wie Jeff Horn, die die Erinnerungen ihrer Eltern weitertragen.

Digital

Websites, Podcasts und Videos. Auch diese Seite ist eine Form des Erinnerns.

Stimmt das? Tippe auf eine Karte.

Wer erinnert in Tönisvorst?

Allgemeine Wohnungsgenossenschaft (AWG)

Ihr Vorsitzender Walter Schöler, früher Bundestagsabgeordneter, brachte 2011 die ersten Stolpersteine nach St. Tönis. Die AWG besitzt die Häuser Hochstraße 65 und 67 und bezahlte die ersten sieben Steine, damals 95 Euro pro Stein.

Michael-Ende-Gymnasium

In einem Projektkurs erforschten Schülerinnen und Schüler die Lebensgeschichten der Tönisvorster Juden und sammelten Spenden für weitere Steine.

Stolperstein-Initiative Vorst

Engagierte Bürgerinnen und Bürger haben die Verlegungen in Vorst möglich gemacht, darunter Edith Mascini aus der Familie Horn. Heute will die Initiative wieder aktiv werden.

Jüdische Gemeinde Krefeld

Sie unterstützte das Projekt in St. Tönis. Rabbiner Yitzak Mendel Wagner sprach sich für die Steine aus.

Gunter Demnig

Der Kölner Künstler kam selbst nach Tönisvorst und verlegte die Steine, zum Beispiel am 25. Mai 2019 für Isaak Kaufmann auf der Hochstraße 37.

Familien

Nachfahren wie Jeff Horn aus Los Angeles kommen zurück an die Orte ihrer Vorfahren und erzählen deren Geschichte weiter.

Streit um die Steine

Stolpersteine sind nicht überall unumstritten. In Krefeld waren die Jüdische Gemeinde und der Stadtrat zuerst dagegen, auch in Kempen wurde lange diskutiert. Wie siehst du das?

Dafür
  • Ein Stein bringt den Namen an den Ort zurück, an dem der Mensch gelebt hat.
  • Das Opfer bleibt kein namenloses Opfer, sondern ein einzelner Mensch. Im Judentum spielt der Name eine große Rolle, betont Rabbiner Wagner.
  • Man begegnet der Erinnerung im Alltag, ohne in ein Museum zu gehen.
Dagegen
  • Man läuft über die Namen, so wie die Opfer schon einmal „mit Füßen getreten“ wurden.
  • Rechtsextreme könnten die Steine beschädigen.
  • Ein Stein allein reicht nicht. Rabbiner Wagner sagt auch: Man muss ebenso in die jüdische Zukunft in Deutschland investieren.

Kapitel 2

Menschenwürde

Würde bedeutet, dass jeder Mensch wertvoll ist, einfach weil er ein Mensch ist. Zwischen 1933 und 1945 wurde jüdischen Menschen in Deutschland diese Würde Schritt für Schritt genommen.

Grundgesetz, Artikel 1, Absatz 1
„Die Würde des Menschen ist unantastbar. Sie zu achten und zu schützen ist Verpflichtung aller staatlichen Gewalt.“

Dieser Satz steht seit 1949 ganz am Anfang des Grundgesetzes. Er ist die Antwort auf das, was in der NS-Zeit geschehen ist.

Wie schnell Menschenwürde verloren geht

1932

0 von 15 Rechten genommen

In St. Tönis und Vorst
  • 1933Einkaufen und verkaufen, ohne dass SA-Männer vor dem Laden stehen
  • 1933Als Beamter, Lehrerin oder Richter arbeiten
  • 1935Staatsbürger mit allen Rechten sein
  • 1935Heiraten, wen man liebt
  • 1938Ins Kino, ins Theater oder ins Konzert gehen
  • 1938Als Kind eine normale Schule besuchen
  • 1938Ein eigenes Geschäft führen
  • 1938Auto fahren
  • 1939Den eigenen Vornamen behalten, ohne „Israel“ oder „Sara“
  • 1939Wohnen, wo man möchte
  • 1939Ein Radio besitzen
  • 1941Ohne gelben Stern auf die Straße gehen
  • 1941Das Land verlassen und fliehen
  • 1942Ein Haustier halten
  • 1941Zu Hause bleiben, statt deportiert und ermordet zu werden

Der Weg nach Riga, Dezember 1941

Wie schnell Menschenwürde verloren geht

Am 11. Dezember 1941 wurden die ersten Jüdinnen und Juden aus Tönisvorst deportiert. Tippe auf die Stationen.

    Die nächste Deportation: Theresienstadt

    Am frühen Morgen des 24. Juli 1942 wurden die letzten Juden aus St. Tönis und Vorst abgeholt: 14 Menschen aus St. Tönis, 3 aus Vorst. Der Weg führte wieder über Krefeld zum Schlachthof Derendorf und von dort nach Theresienstadt im heutigen Tschechien.

    Die NS-Propaganda stellte Theresienstadt als eine Art Vorzeige-Lager für ältere und „privilegierte“ Juden dar. In Wirklichkeit lebten in der alten Festungsstadt, gebaut für 3.500 Soldaten, ständig 40.000 bis 50.000 Menschen. Im August 1942 hatte jeder nur 1,6 Quadratmeter Platz. Wer nicht an Hunger und Krankheit starb, wurde meist weiter in Vernichtungslager wie Treblinka gebracht.

    Aus St. Tönis überlebten nur Henriette und Siegmund Falk.

    Nur einer der Menschen aus St. Tönis und Vorst, die nach Riga kamen, überlebte: Paul Kaufmann von der Hochstraße 67. Nach: Rheinische Post, 3. Januar 2025

    Kapitel 3

    Leben in Tönisvorst

    Vor 1933 gehörten jüdische Familien selbstverständlich zum Leben in St. Tönis und Vorst. Sie waren Nachbarn, Kaufleute, Vereinsmitglieder.

    Tönisvorst, wie wir es heute kennen, gibt es erst seit 1970. Damals wurden die beiden Orte St. Tönis und Vorst zu einer Stadt zusammengelegt. In beiden Orten lebten vor dem Zweiten Weltkrieg jüdische Familien. In Vorst gab es eine Synagogengemeinde, in St. Tönis eine Synagoge an der Wilhelmstraße. Ihr Richtfest wurde 1906 gefeiert.

    Die jüdischen Familien führten Geschäfte, Metzgereien und Fabriken, in St. Tönis zum Beispiel eine Schuhfabrik und eine Schürzenfabrik. Einige saßen im Gemeinderat. Ihre Kinder gingen mit den anderen Kindern zur Schule. Wer heute über die Hochstraße oder die Clevenstraße geht, läuft an ihren früheren Häusern vorbei.

    St. Tönis

    26 Stolpersteine, die meisten auf der Hochstraße. Hier lebten unter anderem die Familien Kaufmann, Falk, Wolff und Romberg.

    Vorst

    23 Stolpersteine, unter anderem auf der Clevenstraße. Hier lebten die Familien Horn, Willner und Katz.

    Metzger & FeuerwehrmannBenjamin Horn, Vorst

    Saß im Vorstand der Synagogengemeinde und gründete die Freiwillige Feuerwehr Vorst mit. 1938 wurde seine Metzgerei zerstört.

    SchuhhändlerErnst Willner, Vorst

    Floh 1938 mit seiner Familie nach Argentinien.

    ViehhändlerLeo Willner, Vorst

    Floh 1938 mit Frau und Kindern nach Argentinien.

    TextilhändlerHermann Katz, Vorst

    Wurde in der Pogromnacht 1938 in seinem Haus am Steinpfad die Treppe hinuntergestoßen. Er starb am 6. Februar 1939 an den Folgen.

    Textilfabrik & MaßschneidereiSiegfried Romberg, St. Tönis

    Galt als engagiert und hilfsbereit. Um seinen Sohn Hans aus dem KZ Dachau freizubekommen, musste er 1938 seine Fabrik per Zeitungsanzeige billig verkaufen.

    KleiderfabrikLouis Klein, St. Tönis

    Musste seinen Betrieb zwangsweise verkaufen. Er floh 1939 nach Ecuador und starb dort 1963 in Armut.

    Es gab auch Mut

    In der Pogromnacht 1938 zerrte ein SA-Mann den 80-jährigen Viehhändler Isaak Kaufmann in seinem Sessel auf die Straße und wollte ihn anzünden. Der Polizist Poppen, der im Rathaus wohnte, hörte den Lärm. Er nahm Kaufmann zu dessen eigenem Schutz mit ins Polizeigefängnis.

    Karl Pescher brachte ihn danach zur niederländischen Grenze. Dafür wurde er verhaftet. Seit 2026 erinnert auch an ihn ein Stolperstein.

    Hinschauen statt wegsehen: Auch das gehört zur Erinnerung. Isaak Kaufmann konnte 1940 nach Argentinien auswandern.

    9. und 10. November 1938

    Die Pogromnacht in St. Tönis und Vorst

    Die Nazis nannten sie spöttisch „Reichskristallnacht“, wegen der vielen zerbrochenen Fensterscheiben. Der Begriff verharmlost, was geschah. Heute sagt man Novemberpogrom.

    1. 7. November
      Der Vorwand

      In Paris schießt der 17-jährige Herschel Grynszpan auf den deutschen Diplomaten Ernst vom Rath. Seine Familie war kurz vorher mit 12.000 anderen polnischen Juden aus Deutschland an die polnische Grenze abgeschoben worden.

    2. 9. November
      Befehl von oben

      Vom Rath stirbt. Die NS-Führung nutzt das, um die Aktion gegen die Juden zu starten, die sie wohl schon länger geplant hatte. Am Morgen des 10. November kommen die Befehle im Landratsamt in Kempen an.

    3. 10. November, nachmittags
      Der Ortsgruppenleiter zögert

      Der St. Töniser NSDAP-Ortsgruppenleiter Josef Meyendriesch soll die Synagoge anzünden. Er lässt nur einige Zerstörungen im Inneren anrichten, die Synagoge anzuzünden traut er sich nicht. Der Druck aus Krefeld wird größer.

    4. 10. November, abends
      Die Synagoge brennt

      Der Ortsgruppenleiter aus Hüls, Robert Frantzen, übernimmt. Mit drei Taxis voller SA-Männer aus Hüls und Krefeld und zwei Benzinfässern kommt er nach St. Tönis. Der Martinszug ist gerade zu Ende. Eine schweigende Menschenmenge sieht zu, wie die Synagoge an der Wilhelmstraße niederbrennt. Die Feuerwehr schützt nur die Nachbarhäuser.

    5. In derselben Nacht
      Kein jüdisches Haus bleibt verschont

      SA- und SS-Männer aus St. Tönis machen mit. Möbel und sogar ein Konzertflügel fliegen auf die Straße. Die Krawattenfabrik von Hans Romberg wird geplündert, die Bibliothek der Familien Wolff und Klein im Garten verbrannt. Isaak Kaufmann wird in seinem Sessel auf die Straße getragen.

    6. 10. November
      Verhaftungen in Vorst

      Gendarmeriemeister Nollen, der Verbindungsmann zur Gestapo, nimmt Josef und Karl Horn fest. Sie kommen ins KZ Dachau, ebenso der erst 16-jährige Walter Horn.

    7. 10. November, abends
      Die Metzgerei Horn wird verwüstet

      SA- und SS-Schläger aus Vorst und der Nachbarschaft ziehen durchs Dorf. Sie zerstören die Metzgerei von Benjamin Horn an der Clevenstraße 17. Er hatte die Vorster Feuerwehr mitgegründet.

    8. 10. November, nachts
      Eine Nacht auf dem Feld

      Am Steinpfad 4 dringen die Täter in das Haus des Textilhändlers Hermann Katz ein und zerschlagen die Einrichtung. Ein Vorster SA-Mann stößt den alten Mann die Treppe hinunter. Seine Töchter Emma und Rika bringen ihn auf ein Feld. Aus Angst verbringen sie dort die kalte Novembernacht.

    9. 10. November
      Willich, Schiefbahn, Anrath

      In Willich werden die Fenster der Familie Lion eingeworfen, der einzigen jüdischen Familie dort. In Schiefbahn brennt die Synagoge, der jüdische Friedhof wird geschändet. In Anrath wird der jüdische Gebetsraum geplündert.

    10. Danach
      Die Folgen

      Benjamin Horn muss sein Haus verkaufen und kommt im Vorster Krankenhaus unter. Er stirbt dort am 16. April 1941, kurz vor seiner Deportation. Hermann Katz stirbt am 6. Februar 1939 an seinen Verletzungen. 1940 wird der jüdische Friedhof in Vorst verwüstet. Die Grabsteine werden als „schmückende Natursteine“ in eine neue Leichenhalle eingebaut.

    11. Danach
      Enteignung

      Juden werden gezwungen, ihre Häuser und Firmen zu Spottpreisen zu verkaufen. So finanziert der Staat auch seine Aufrüstung. Siegfried Romberg muss seine Fabrik per Zeitungsanzeige verkaufen, damit sein Sohn Hans aus Dachau freikommt.

    Kein „spontaner Volkszorn“: Die Nazis behaupteten, die Bevölkerung habe sich spontan gewehrt. In Wahrheit wurde der Pogrom von Partei und Behörden organisiert. In St. Tönis kamen die Brandstifter aus Hüls und Krefeld, aber Männer aus dem Ort machten mit. In Vorst waren die Täter Nachbarn.

    Kapitel 4

    Stolpersteine

    Ein Stolperstein ist ein Betonwürfel mit einer Messingplatte, 10 mal 10 Zentimeter groß. Er liegt im Gehweg vor dem letzten frei gewählten Wohnort eines Menschen, der von den Nationalsozialisten verfolgt wurde.

    Die Idee stammt vom Künstler Gunter Demnig. Er verlegt die Steine seit den 1990er-Jahren, inzwischen gibt es über 100.000 davon in mehr als 30 Ländern Europas. Damit sind sie das größte dezentrale Denkmal der Welt.

    Wer die Inschrift lesen will, muss den Kopf senken und sich vor dem Menschen verbeugen. So stolpert man nicht mit den Füßen, sondern mit dem Kopf und mit dem Herzen.

    49Stolpersteine in Tönisvorst
    –Menschen wurden ermordet
    –konnten fliehen oder überlebten
    2011erste Verlegung in St. Tönis

    Nachfahre besucht Stolpersteine in Vorst

    Jeff Horn an der Clevenstraße

    Besonderer Besuch am Niederrhein im September 2025: Jeff Horn, ein Rentner aus Los Angeles, kam mit seiner Ehefrau Nathana nach Vorst. Er ist der Sohn von Walter Horn, der 1938 als 16-Jähriger im KZ Dachau saß. Auf einer Europareise besuchten die beiden die Orte, an denen seine Familie gelebt hat, und Verwandte in der Gegend.

    Zusammen mit seiner Großcousine Edith Mascini, seinem Großcousin Herbert Goetzen und Peter Joppen von der Stolperstein-Initiative stand er an der Clevenstraße. Dort sah er die acht Steine seiner Familie zum ersten Mal.

    „Diese Steine bedeuten uns sehr viel, so können wir als Familie das Haus immer wiedererkennen.“Jeff Horn

    In der Familie wurde in den USA wenig über die alte Heimat gesprochen. Sein Vater hatte trotzdem vor allem gute Erinnerungen an seine Kindheit in Vorst und erzählte manchmal kleine Geschichten. 1973 besuchte Walter Horn Vorst noch einmal. Mit der Familie das alte Haus anzusehen, fiel ihm sehr schwer.

    Nach der Flucht nach Ecuador arbeitete die Familie zuerst wieder als Metzger. In den USA mussten sie als Flüchtlinge jede Arbeit annehmen, zum Beispiel in Hotelküchen oder als Klempner.

    Dass die Steine heute dort liegen, ist der Stolperstein-Initiative in Vorst zu verdanken. Jeff Horn ist ihr dafür sehr dankbar. Die Verlegungen endeten vor rund zwölf Jahren. Jetzt wollen Edith Mascini und Peter Joppen die Initiative neu beleben. Die verstorbene Christel Tomschak hatte ihnen mit auf den Weg gegeben, nicht aufzuhören, denn was damals passiert ist, kann jederzeit wieder passieren. Neue Steine sind nicht geplant, dafür stille, aber sichtbare Aktionen.

    Die Steine der Familie Horn, Clevenstraße 17 · verlegt 2013

      Alle 49 Namen

      Ort
      Schicksal

      Quelle der Daten: Wikipedia, „Liste der Stolpersteine in Tönisvorst“ (Stand 2026), die sich unter anderem auf Forschungen von Schülerinnen und Schülern des Michael-Ende-Gymnasiums und von Walter Schöler stützt. Die Texte sind gekürzt. Bei manchen Angaben gibt es unterschiedliche Quellen. Mehr steht im Heft „Dokumentation über das Schicksal der jüdischen Einwohner von St. Tönis und Vorst“.

      Kapitel 5

      Erinnerungskultur zusammengefasst

      1. Erinnern heißt Verantwortung. Nicht Schuld, sondern die Aufgabe, Ausgrenzung heute zu erkennen und zu widersprechen.

      2. Würde kann schnell verloren gehen. Sie wurde nicht an einem Tag genommen, sondern Gesetz für Gesetz, während viele zusahen.

      3. Viele haben mitgemacht. Bürgermeister schrieben Listen, Polizisten verhafteten Nachbarn, Bürger kauften Fabriken billig. Und eine Menschenmenge sah schweigend zu, wie die Synagoge brannte.

      4. Es geschah vor unserer Haustür. In St. Tönis und Vorst lebten Familien, die verfolgt, vertrieben und ermordet wurden.

      5. Namen geben Menschen zurück. Stolpersteine machen aus einer Zahl wieder Menschen mit Geschichte.

      6. Erinnerung lebt, wenn Menschen sie weitertragen. Nachfahren wie Jeff Horn, Initiativen und auch wir als Schülerinnen und Schüler.

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      Jede Kerze steht für einen der 49 Menschen aus Tönisvorst. Lies den Namen ruhig einmal laut.